Adib Fricke
Wem gehören die Wörter?
Streit ums Wort
Der Streit ums Wort kann schon bei einem
einzelnen Buchstaben beginnen.

E-Klasse (Class E)
Daimler-Benz : Scheele – Der sich selbst als »Markendesigner« bezeichnende Ulrich Scheele hatte in der richtigen Vermutung, dass Daimler sein Reihenkonzept bei der Typenbezeichnung fortsetzen wird, in Frankreich die Marke »Class E« für die Markenklasse »Automobile« angemeldet. Das Daimler-Angebot von 200.000 DM schlug er aus, seine Forderung war DM 1.000 je verkauftem Auto. Daimler klagte.
e-business
E-Technologies : IBM – 1998 startete IBM mit einer US$ 360.000.000 teuren »e-business«-Kampagne. Schlüsselbegriffen wurde ein »e« vorangestellt. Die Zwei-Personen-Firma E-Technologies klagte, sie hatte für den Namen mit vorangestelltem »e« bereits seit 1997 für den Bereich Computertechnik eine Markeneintragung.
e-photo
Agfa : LightSurf – Obwohl LightSurf, USA, bereits 1995 die Domain »ephoto.com« angemeldet hat und den Begriff »e-photo« seitdem nutzt, klagte Agfa im Jahr 2000 gegen die weitere Nutzung von »e-photo« durch LightSurf, weil Agfa diesen Begriff mittlerweile als Marke für Bildtechnologien eingetragen hatte.
T-Macke
»T-Aktie«, »T-Online«, »T-Punkt«, »T-Systems« etc. – gestritten werden kann genauso gut um andere Buchstaben. Das Reihenkonzept der Telekom ist absolut und duldet keine ähnlichen Formen. Die Deutsche Telekom klagte gegen »t3 medien«, die bereits seit 1988 das »T« im Namen führen. Das »T« sei ein Identifikationsmerkmal des Telekommunikationsanbieters und ein Kennzeichen der Markenfamilie. Die Klage der Telekom blieb erfolglos und T3 erreichte es im Anschluss an den gewonnen Prozess sogar noch, dass die Telekom ihre eigene, 1998 eingetragene Marke »T3« löschen musste. Bei der Dt. Telekom hat der T-Anspruch absurde Ausmaße angenommen, als weitere Beispiele drohte sie 2002 der kleinen Firma »Text Team« mit Klage, wenn diese nicht auf ihr Logo bestehend aus zwei Ts verzichte (es kam zur Einigung) und verklagte Werbetreibende, die ebenfalls die Farbe Magenta nutzen.
2003 erweiterte die Telekom ihre T-Werbung, starte mit einer T-Kampagne um das Zeichen T und registrierte für sich viele weitere lustige Domainnamen wie t-offline.de, t-laden.de, t-wurst.de oder t-beutel.de.
Why X-Files
Fox Network : University of Wisconsin-Madison – Auch wenn die Buchstaben nur ähnlich klingen, gibt es im Einzelfall Konflikt-Potential: Fox Network, ein US-amerikanisches Fernsehunternehmen, berief sich auf seine eigenen Markenansprüche und den hohen Bekanntheitsgrad der Serie »The X-Files« (Akte X) und wollte es nicht zulassen, dass diese Marke durch ähnlich lautende Bezeichnungen verwässert werde, ein häufiges Argument bei Markenkonflikten. Nach Ansicht von Fox spielen die Wissenschaftler der Universität of Wisconsin-Madison mit den Why Files, die man auch als »Y-Files« verstehen könne, bewusst auf die Ähnlichkeit zu den X-Files an. Die Why Files, die »Warum-Akten«, beschäftigen sich mit der wissenschaftlichen Seite der Tagesnachrichten und liefern Hintergründe, warum es Meldungen schaffen, zu Nachrichten zu werden.
O
Brockmeyer : Winfreys – »Nichts ist unmöglich«, auch ein allein stehender Buchstabe hat alles, was es zur Auseinandersetzung braucht. Der deutsche Verleger Brockmeyer, der seit 1995 in ca. 25 Ländern ein erotisches Magazin mit dem Titel »O« herausgibt, klagt gegen Oprah Winfrey, die bekannteste Fernseh-Moderatorin der USA. Zu Oprah Winfreys Fernsehsendungen erscheint im Hearst-Verlag eine Zeitschrift mit gleichem Titelbuchstaben, der in gleicher Form gesetzt ist. Siehe auch Der Buchstabe Q.
Alles braucht einen Namen
Alle Wörter sind öffentlich
Streit ums Wort
Mein Wort gehört mir
Sag’ besser nichts
Falsche Wörter
So muss es heißen
Wem gehören die Wörter? Der Sprachraum als Eigentum, Teil 3
© 1999-2003 Adib Fricke, The Word Company.