2005/05/30
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Merriam Webster als einer der wichtigsten amerikanischen Wörterbuchverlage macht sich mit der Online-Version seines Wörterbuchs ein schönes Vergnügen. Leser, sprich: Besucher der Seite sind aufgefordert, ihre Lieblingswörter einzureichen, die nicht im Wörterbuch stehen. Aus mehreren tausend Einreichungen zumeist selbstgemachter Wortschöpfungen wurde eine Top-Ten-Liste gebildet. Auswahlkriterium war die Häufigkeit der eingereichten Wortvorschläge.

Im Gegensatz zu den Protonymen von The Word Company, die auch nicht im Wörterbuch stehen, handelt es sich bei den Einreichungen um englische Neologismen. Die meisten davon sind einfache Zusammenziehungen wie das Wort snirt für »schmutziger Schnee« (aus »snow« und »dirty«) oder chillax für »das entspannte Herumhängen mit Freunden« (zu »chill out« und »relax«). Etwas stärker scheint da noch slickery für »eine nasse vereiste Oberfläche«. Beim Spiel um Neologismen erstaunt es nicht, dass Eintrag Nr. 10 der aktuellen Liste einen lingweenie nennt, »eine Person, die nicht in der Lage ist, Neologismen zu bilden«.

Auf einer weiteren Seite, die über oben genannte zu erreichen ist, sind Beispiele früherer Einreichungen thematisch nach Gruppen sortiert zusammengestellt. Es scheint ein Bedürfnis zu geben, Begriffe zwischen bestehenden Begriffen zu bilden, ob es dafür jedoch in der täglichen Sprachpraxis einen Bedarf gibt, bleibt offen. So steht der spinter beispielsweise für die Zeit zwischen »winter« und »spring« (Frühjahr) und sprummer für eine Zeit, wenn sich Sommer und Frühjahr nicht entscheiden können, wer von beiden als nächstes kommt, während der sprog mit einer Geschwindigkeit zwischen »sprint« und »jog« schon längst davongeeilt ist. Doch ist diese Liste etwas umfangreicher und bietet neben den »Inbetween«-Neologismen auch andere Beispiele englischsprachiger Wortschöpfungskunst wie den vidiot. Nur warum soll dieser Begriffsvorschlag diejenigen bezeichnen, »die nicht in der Lage sind, einen Videorekorder zu programmieren« und nicht diejenigen, die sich das Programm zur Bedienung des Gerätes ausgedacht haben, oder diejenigen, die schlechte Filme schauend vor den flimmernden Kisten auf der Couch im Wohnzimmer verblöden?

©2004–2012 Adib Fricke, adibfricke.com.