
Probelauf zu Literatur findet statt!
Zum zweiten Mal wird in Ingolstadt das Literaturfestival Die Literaturlandschaften Bayerns veranstaltet. The Word Company hat dazu ein Event entwickelt, mit dem die Literatur in den öffentlichen Stadtraum gebracht werden kann. Auf 50 tragbaren Schildern sind Literaturzitate aus neun Jahrhunderten zusammengestellt, die zu Beginn des Festivals gruppen- und paarweise durch die Stadt und später am Abend ins Museum getragen werden.

»Die Zitate wurden so gewählt, dass sie isoliert bestehen und eine eigenständige Wirkung entfalten können. Die unterschiedliche Zusammenstellung der Sätze durch die Gruppenbewegung schafft wechselnde, variable Bedeutungen. … In einem gemeinsamen Sammlungs- und Auswahlprozess wurden 50, zum Teil fragmentarische Literaturzitate mit Bayernbezug ausgewählt. In klarer grafischer Form gestaltete der Künstler die tragbaren Schilder.«
aus: Pressetext, Arbeitskreis für gemeinsame Kulturarbeit bayerischer Städte e.V.)
Die Eröffnungsveranstaltung findet am 21.4.2006 im Alf-Lechner-Museum statt. Übersicht ausgewählte Zitate:
Ein Mensch ist empfindlich wie jeder andere auch — Herbert Achternbusch (1973)
Augen auf und geträumt! — Carl Amery (1979)
Auch eine Faust war einmal eine offene Hand. — Jehuda Amichai (1994)
Die besten Poeten allzeit dürr gewesen seynd — Jacob Balde (1704)
Jede Frage ist eine Reise ins Ungewisse — Habib Bektas (2001)
Ich weiß gewiss, dass nicht gewiss ist, was Du sagst. — Jacob Bidermann (1666)
Denn wovon lebt der Mensch? — Bertolt Brecht (1928)
Missmut ist die Trägheit der Seele — Petrus Canisius (1555)
Das Leben hielt mich fest — Lena Christ (1912)
Die Höllenbar ist marmorweiß und trägt an allen Wänden Sätze — Eva Demski (1987)
Heimat ist, wo dir auch die Katastrophen gehören. — Ulrike Draesner (2005)
Blei ist Gold, ein Pferd ist ein Löwe, sind keine unmöglichen Sätze. — Dr. Johannes Eck (1516)
Für das Leben braucht man einen Kugelschreiber — Günter Eich (1970)
Soweit ich mich erinnern kann, war ich immer schon da. — Michael Ende (1973)
Wahre Sätze werden abgeschabt, ehe sie sich entfalten können. — Hans Magnus Enzensberger (1964)
Der Held um seinen Urlaub bat — Wolfram von Eschenbach (1215)
Wenns Dir hilft, schrei. — Lion Feuchtwanger (1926)
Gebettelt wird bei uns immer am Freitag — Marieluise Fleißer (1924)
Der ganze Erdteil weint — Leonhard Frank (1917)
Sei ein bißl intelligentisch — Ludwig Ganghofer (1918)
Im Sommer tötet dich keiner mehr — Nora-Eugenie Gomringer (2002)
Denke mir mein Ich durch ein Vervielfältigungsglas — E.T.A. Hoffmann (1809)
Lass mich aus dir einen Menschen machen — Ödön von Horváth (1931)
Wir hämmern auf die Schreibmaschine. Das ist genau als spielten wir Klavier. — Erich Kästner (1928)
Wenn die Lebenslinie auf der Hand zweigleisig wird — Herbert Kapfer (1982)
Frette mich so durch hier — Liesl Karlstadt (1937)
Und ko ma wirkli in’s Paradies einischaugn? — Franz von Kobell (1871)
Ich bin das Volk — Franz Xaver Kroetz (1993)
Was ich da schreibe, erhebt keinerlei Anspruch. — Erika Mann (1956)
Es gibt Rechte von denen man unter Umständen keinen Gebrauch macht. — Thomas Mann (1924)
Alle Buchstaben, die je von Menschen geschrieben, zählen. — Christian Morgenstern (1895)
»Ich revolüzze!« — Erich Mühsam (1907)
Mir bebt ja der Himmel schon unter den Sohlen! — Dagmar Nick (1969)
Mancher rotbackige Apfel landete unkritisch in unseren Mägen — Alois Maria Ott (1914)
Wer hätte gedacht, dass gebratene Steine so gut sind. — Ottfried Preussler (1956)
Eine Persönlichkeit aus zweiter Hand — Carl-Ludwig Reichert (1970)
Ich amüsiere mich ausgezeichnet und es gibt wirklich allerhand zu sehen. — Franziska Gräfin zu Reventlow (1913)
Ich will dir den rechten Ablaß verkünden — Urbanus Rhegius (1521)
Wer spicht von Siegen? Überstehn ist alles. — Rainer Maria Rilke (1908)
Der Liebe Leben ist schnell vollbracht — Friedrich Rückert (1872)
Empfinde, wer Du bist! — Johann Michael Sailer (1785)
Galilei hat vor wenigen Tagen abgeschworen — Christoph Scheiner (1633)
Es war im Garten Eden und ich hatte erfahren wie es gewesen war. — Paula Schlier (1928)
Bei einem falschen Lidschlag kann alles zusammenbrechen — Kerstin Specht (1996)
Ich habe gesehen, dass alle Grundsätze Löcher haben. — Ludwig Thoma (1912)
Schon ein Komma kann den Sinn eines Satzes verändern — Uwe Timm (—)
Nicht Parolen verkünden, an die man nicht glaubt. — Ernst Toller (1933)
Es ist schon alles gesagt! Nur noch nicht von allen! — Karl Valentin (—)
Das Wild und das Gewürme, die streiten starke Stürme. — Walther von der Vogelweide (1198)
Erfahren geht viel langsamer als Denken — Martin Walser (2002)
Mehr zu sehen und zu lesen gibt es auf den Webseiten
Die Literaturlandschaften Bayerns
Literaturdatenbank Bayern
Eine Auswahl an Fotos gibt es im Eintrag vom 23.4.06