Wer erinnert sich noch an eine beim globalen Auktionshaus eBay versteigerte Scheibe Schmelzkäse, bei der sich im Inneren der Käsefläche eine Zusammenballung gebildet hat, die vage an eine Darstellung der heiligen Jungfrau Maria erinnert? Manch kurioses Angebot auf dem privaten Auktionsmarkt erzielt Höchstpreise. Je absurder, so scheint es, um so höher steigt der Preis. Der Virgin Mary Grilled Cheese ging in die Annalen kurioser Internet-Auktionen ein. Ersteigert wurde er vom Online-Spielkasino GoldenPalace.com. Dieses hat schon vor einiger Zeit entdeckt, dass genau solche Auktionen großes Medieninteresse wecken und eine ideale Form der Werbung darstellen.
Zum einen ist sie im Vergleich zu Print- und TV-Kampagnen äußerst preisgünstig (und wahrscheinlich ist sie auch billiger als das kontinuierliche Füttern von Ad-Banner-Farmen). Zum anderen darf in Amerika für das netzbasierte Glücksspiel mit einem klassischen Medienmix gar nicht erst geworben werden, was das öffentlichkeitswirksame Engagement zugleich zu einer der wenigen möglichen Werbeformen macht. So ersteigerte GoldenPalace.com z.B. das Recht, eine neu entdeckte Affenart aus dem Bolivianischen Urwald neu benennen zu dürfen. Dreimal darf geraten werden, welcher Name das wohl sein könnte. Auch für einen von bald auf die Welt kommenden Drillingen darf das Kasino Namensgeber werden, nachdem die Eltern dieses Recht für $12.000 versteigerten. Das ist ein gutes Ergebnis, andere Eltern verkauften das Namensgebungsrecht schon billiger. »Spread the Word«, der Name muss in Umlauf sein und das gelingt gut: Nach erfolgreich abgeschlossener Auktion hat eine andere Frau ihren bisherigen Namen von Terri Ilagan nun dauerhaft in den des Internet-Kasinos ändern lassen. Ob sie den Erlös von $15.199 als Spieleinsatz verwendet oder damit Schulden beglichen und unter neuem Namen ein neues Leben begonnen hat?
Weitere Lebensmittel, die im halbgeschimmelten Zustand an eine amerikanische Berühmtheit erinnern oder aber christlich-spirituelle Assoziationen wecken, wurden durch das Kasino ersteigert, genauso wie die Brustimplantate eines amerikanischen Busenwunders, was sich mit Hilfe selbiger bis zum Zeitpunkt der Versteigerung den Lebensunterhalt verdiente. Die Räder eines Rollstuhls, die Stirn eines Mannes, der große Busen einer Frau, der kugelrunde Bauch einer Schwangeren – all das sind Werbeflächen, die von eBay-Mitgliedern zur zeitweisen Werbeanbringung angeboten und durch GoldenPalace ersteigert wurden. Das Persönliche wird zum Öffentlichen gemacht, wenn sich dafür ein Geldgeber findet. Bei erstmaliger Aktion ist die Geburt eines Kindes ein perfektes Marketing-Event, wenn das Neugeborene schon nach dem Abklemmen der Nabelschnur vor dem Logo des Sponsors liegt.
Und der Jungfrauen-Käse scheint selbst schon wieder Einnahmen zu generieren, schließlich ist das Bild der Marienerscheinung nun auf T-Shirts erhältlich.