Google startete nun auch in Deutschland mit Froogle, einem Suchservice für Produkte, die online gekauft werden können. Händler dürfen die von ihnen vertriebenen Produkte mit Beschreibungen kostenfrei in eine Google-Datenbank einstellen. In den Ergebnislisten kann Google wieder seitlich Adwords-Anzeigen einblenden. Die Erweiterung der Suchangebote heisst also auch Optimierung des Anzeigenkontextes, um bei wesentlich geringerem Streuverlust eine höhere Klickrate zu erzeugen.
Im Gegensatz zu seiner Standard-Suchmaschine bietet Google hier auch eine Art Livesuche-Anzeige. Unter der Zeile »Andere Nutzer haben vor kurzem nach den folgenden Produkten gesucht:« finden sich so schöne Sachen wie »Linkshänder-Gitarre, Regen bekleidung, Computer Rucksack, Piratenhut, Laminiergerät, Flanellbettwäsche, Löffelablage, Pulsmesser«. Wahrscheinlich werde ich am Wochenende stundenlang vor dem Rechner sitzen und mir in fortlaufenden Browser-Refreshs all die schönen Substantive der Warenwelt anschauen.
Doch schon jetzt wollte ich wissen, gibt es auch Wörter online zu kaufen? Ich startete eine »Wörter«-Suche bei Froogle und erhielt sofort fünfeinhalb Seiten mit Ergebnissen, vorwiegend für Bücher und (Lern)Spiele. Bei letzteren gab es entzückende Kurzbeschreibungen, »Wie heißen die Tiere mit Vornamen?«, »Die Spieler versuchen möglichst schnell 10 Wörter aus 4 oder mehr Buchstaben zu bilden«, »Bei der Silben-Rallye können Ihre kleinen Rennfahrer ihren Wortschatz spielerisch erweitern«, »An welchen Platz muss das “H”?«, »Wer weiß, wie die Buchstaben aussehen?«, »Mit den Magnetbuchstaben ist es spannend neue Wörter zu lernen, denn diese lassen sich z.B. auch an der Kühlschranktür befestigen.« Sogar eine etymologische Auskunft zu einem Produktnamen kam zu Tage, »Limpuro, 50 ml € 3,00, … Die Bezeichnung LIMPURO steht für “säubert rein” und entstand aus der Kombination der spanischen Wörter Limpia (säubern) und Puro (rein – makellos). …«
Auf Seite eins der Froogle-Liste zum Suchbegriff »Wörter« versammelten sich so schöne Buchtitel wie Schlechte Wörter, Kleines Lexikon untergegangener Wörter gleich um die Beispiele »Docke« für Puppe, »Quarre« für Schreihals oder »Tollhaus« für Heilanstalt ergänzt oder aber ein Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft, in dem der Autor Nabil Osman, der übrigens auch Herausgeber des zuvor genannten Buches ist, »rund 500 deutsche Wörter arabischer Herkunft« zusammengestellt hat. Klingt wirklich interessant. Auch Seite zwei hatte schöne Ergebnisse. Neben Die Herrin der Wörter von Peter Dempf, ein Kinderbuch, in dem »Nebelzwerge« die Wörter vor einem »wörterverschlingenden Nichts« beschützen sollen, gab es ein Angebot, das besonderes Interesse bei mir weckte: Gemalte Wörter. Sofort klickte ich auf den Link, der zur Webseite des Anbieters führte. Doch die dort vorzufindende Information war enttäuschend: »Sehr geehrter Kunde! Dieses Produkt ist leider nicht mehr lieferbar. Bitte nutzen Sie unsere Globalsuche, um ein ähnliches Produkt zu finden.«
Meine Neugierde war groß und ich verstand, dass in diesem Fall »Globalsuche« nur Suche bei einem sehr großen Buchhändler bedeuten konnte, also gab ich den vielversprechenden Titel bei Amazon.de ins Suchfeld ein. Fünf mal wurde mir das gleiche Buch angezeigt und sonst kein anderes, so dass es wohl dieses sein musste, welches der andere Händler nicht mehr liefern konnte, Gemalte Wörter. 214 chinesische Schriftzeichen – Vom Bild zum Begriff von Edoardo Fazzi. Seit den 80er Jahren, als ich zeitweise Japanologie studierte, habe ich bereits ein ausführliches Radikal-Lexikon. »Radikale« werden die 214 Grundzeichen der chinesischen Bilderschrift genannt. Aus diesen setzen sich dann alle anderen Bildschriftzeichen zusammen, sowohl in China als auch in Japan, das neben seinen zwei eigenen Silbensystemen die chinesischen Bildzeichen seit dem 5. Jahrhundert verwendet.
Die »gemalten Wörter« waren für mich nun doch nicht mehr so interessant, was nichts über die Qualität des Buchs sagt (auch bei Wikipedia gibt es einen Verweis darauf). In seiner bekannten Penetranz schlug mir Amazon gleich noch ein zweites Buch mit langem Titel und Untertitel zur asiatischen Kalligraphie vor: Nicht überall schreibt man mit ABC. Die Bedeutung chinesischer und japanischer Schriftzeichen. Für Asienfreunde. Für China-/Japan-Reisende. Mit Schriftzeichenvorlagen für Designs & Tattoos. Das aber brauchte ich wirklich nicht, Vorlagen, um mir welche Stelle am Körper auch immer mit sino-japanischen Zeichen vollschreiben zu lassen.
Unter den ergänzenden Rezensionen einzelner Kunden des Online-Buchhändlers fand sich neben so überzeugenden Sätzen wie »Jetzt verstehe ich die chinesische Schrift wirklich!« und einem einschränkenden Hinweis darauf, was der Autor »verabsäumte«, die amüsante Kritik einer sabineprivat aus Dresden: »Ich finde das Buch war eine GELDVERSCHWENDUNG! Ich habe in diesem Buch Wörter wie: Liebe, Freundschaft, Glück, Gesundheit… erwartet und gesucht. Solche Dinge eben die man im Leben anderen Menschen einmal wünschen könnte.. und zum Beispiel in Glückwunschkarten, auf Briefen mit einbinden könnte.. Was will ich denn mit Wörtern wie: Dreifuß, Haken, knüpfen, Ohr, Zähne… ??!«