Adib Fricke
Wem gehören die Wörter?
Falsche Wörter
That which we call a rose,
by any other name would smell as sweet.
—William Shakespeare
Nightclubmoney
Nightclubmoney ist kostenlos, ein Übersetzungsfehler eines Computerprogramms (70er), aus »Bargeld« wurde »Nightclubmoney«.
Gift
Ein nach Leipzig gesandtes Päckchen aus Amerika mit der Aufschrift »Gift« beschäftigte mehrere Stunden die Polizei, bis jemand bemerkte, dass dies der englische Begriff für »Geschenk« ist.
Chevy Nova
Bei Marken sind Übersetzungsprobleme gravierender, sprich teuerer als im Alltag und im Einzelfall verhindern sie eine globale Nutzung der Marke. Der Markenname »Chevy Nova« für Fahrzeuge des Autoherstellers Chevrolet konnte in Südamerika nicht verwendet werden, »no va« bedeutet im Spanischen»will sich nicht bewegen«. Und auch ein »Lada Nova« konnte in Spanien nicht verkauft werden.
Ford Pinto
Ähnlich erging es Ford im brasilianischen Markt. Nach Markteinführung soll Ford herausgefunden haben, dass »Pinto« in portugiesischer Umgangssprache für ein »kleines männliches Geschlechtsteil« steht und musste für den brasilianischen Markt einen neuen Namen finden.
Phaeton
Der Name des neuen Luxus-Volkswagens ist der Name vom Sohn des Sonnengottes Helios, und der fuhr den »Sonnenwagen« seines Vaters kaputt. Auf den etwas irritierenden Beiklang des Namens angesprochen äußerte der Marketingleiter von Volkswagen in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, der Wagen sei unbeschädigt geblieben, es habe nur einen Personenschaden gegeben – was für den Namen spreche. Nun ist »Phaeton« als Namenszusatz für Automobile gar nicht so besonders. Um 1930, aber auch später, gab es mehrere Auto-Hersteller, die den Begriff als Modellbezeichnung für einen offenen (Kutschen)Wagen benutzten, z.B. Ford A Phaeton (1929), Mercury Park Lane Phaeton Sedan (1958) oder Excalibur Phaeton (1969). Eine besondere Geschichte hat der Graf & Stift Phaeton, das erste in Österreich hergestellte Automobil. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand wurde am 28.6.1914 in diesem Wagen sitzend in Sarajewo erschossen (das Attentat selbst gilt als Beginn des 1. Weltkriegs). Und auch die Folgebesitzer hatten keine Freude an dem Fahrzeug, bei sechs Unfällen sollen insgesamt 13 Personen tödlich verunglückt sein. Dafür ist der Wagen erhalten und steht in Wien in einem Museum.
Nix
Unfreiwillig verhalf 1998 die Autovermietung Sixt mit einem ihrer Kampagnen-Motive der kleinen Berliner Modefirma »Nix« zu hoher Aufmerksamkeit. Zur Visualisierung der Aussage, dass die Internet-Angebote der Mitbewerber nichts taugten, wurde in einer doppelseitigen Anzeige die Web-Adresse »www.nix.de« zusammen mit Papierkorb-Symbolen von PC-Oberflächen veröffentlicht. Die Kreativen der Hausagentur Jung von Matt, Hamburg hatten sich nicht vorstellen können, dass unter dieser Domain ein Angebot zu erreichen sein würde und den Link gar nicht erst geprüft. Viele Anzeigenbetrachter aber wurden neugierig, was sich hinter diesem Link wohl verberge.
Incubus
Ein Sportschuh von Reebok für Frauen – zum Wegrennen, allerdings nur im Traum. Laut englischem Wörterbuch ist »Incubus« ein bösartiger Geist, der die Menschen im Schlaf überfallen und sich insbesondere an schlafenden Frauen vergehen soll.
Burrada
Der eine oder andere Markenname kann ein großer Fehler sein. Eine amerikanische (?) Fast-Food-Kette mit mexikanischen Speisen nannte ihren Deluxe-Burrito »Burrada«, umgangssprachlicher Ausdruck für »ein großer Fehler«.
AXE Tsunami
Schicksalschläge können auch eine Marke treffen. Was »gut« gemeint war, wird plötzlich zur Katastrophe … siehe hierzu Tsunami-Duft.
Elster
Dass manche Wörter in einem bestimmten Kontext in die Öffentlichkeit gelangen können ist verwunderlich: das Akronym ELSTER steht für die »Elektronische Steuererklärung« und für das Info-Portal der deutschen Finanzämter. Lt. Wahrig – Wörterbuch der deutschen Sprache ist eine Elster »Sinnbild der Schwatzhaftigkeit und der diebischen Veranlagung«.
Nothing sucks like an Electrolux
Genauso können Slogans bei der Übertragung in eine andere Sprache und Kultur Schwierigkeiten aufwerfen wie z.B. der Übersetzungsfehler des skandinavischen Staubsaugerherstellers Electrolux bei einer Anzeigen-Kampagne in den USA.
Sauber … Schmutzig
Oder eine umgedrehte Leserichtung: Eine Legende sagt, Procter & Gamble habe in arabischen Ländern für ein Waschmittel mit einem Vorher-Nachher-Motiv geworben und die schmutzige Wäsche links, die saubere rechts platziert.
I Saw the Potato
Und natürlich sind auch Produkte, deren wesentliches Element eine sprachliche Botschaft ist, vor Fehlern nicht gefeit: Ein amerikanischer T-Shirt-Herstellers, der T-Shirts mit der Aufschrift »I Saw the Pope.« für den spanischen bzw. südamerikanischen Markt herstellen wollte, druckte »I Saw the Potato«.
Gerber
Selbst Fotos können beim »Lesen« Kommunikationsprobleme schaffen. Da es in Afrika viele Analphabeten gibt, wird auf den Verpackungen alltäglicher Güter oft der Inhalt abgebildet. Das us-amerikannische Unternehmen Gerber brauchte einige Zeit um herauszufinden, warum sich Milchpulver, auf dessen Verpackung Fotografien von Babies abgebildet waren, in Afrika nicht verkauft hat.
Alles braucht einen Namen
Alle Wörter sind öffentlich
Streit ums Wort
Mein Wort gehört mir
Sag’ besser nichts
Falsche Wörter
So muss es heißen
Wem gehören die Wörter? Der Sprachraum als Eigentum, Teil 6
© 1999-2003 Adib Fricke, The Word Company.