Ein kleines Buch aus dem Insel-Verlag (1956) mit Holzschnitten von Hokusai, Fujijama, der ewige Berg Japans, zitiert den japanischen Künstler, der sich selbst bis zum Ende seines Lebens als unvollkommen gesehen hat:
»Als Fünfjähriger hatte ich bereits die Neigung, die Dinge in ihrer Gestalt zu zeichnen. Seit einem halben Jahrhundert veröffentlichte ich viele Bilder, die jedoch bis zu meinem siebzigsten Lebensjahr nicht sehr bedeutend waren. Im Alter von dreiundsiebzig Jahren habe ich den Bau der Vögel, Tiere, Insekten und Bäume erkennen gelernt. Deshalb wird sich meine Kunst bis zum achtzigsten Lebensjahr ständig entwickeln, und mit neunzig Jahren werde ich in das Wesen der Kunst eindringen können. Mit hundert Jahren werden meine Bilder dem Gotteswunder gleichen. Mit hundertzehn Jahren wird jeder Punkt und jeder Strich das Leben selbst bedeuten. Die lange lebenden Herren mögen sich überzeugen, dass meine Worte keine Phrasen sein werden.«
Katsushika Hokusai starb 1849 im Alter von neunzig Jahren. Auf dem Sterbebett soll er gesagt haben: »Hätte der Himmel mir weitere fünf Jahre geschenkt, wäre ich ein großer Maler geworden.« Hokusai, der ca. fünfundzwanzig verschiedene Künstlernamen benutzt haben soll, gilt als Begründer der Manga, den japanischen Comics. Eine Anekdote aus dem genannten Buch lässt ihn als sehr modernen Künstler erscheinen:
»Eines Tages wurde [Hokusai] vom Shogun, dem stellvertretenden Machthaber des Kaisers, aufgefordert, vor seinen Augen ein Bild zu malen. Als er den großen Saal des Shoguns betrat, der voll von Fürsten und Hofherren war, ließ er einen großen Papierballen kommen, den er auf dem Boden ausbreitete. Dann nahm er eine Bürste mit blauem Farbstoff in die Hand und zog einen breiten Strich auf dem Papier. Nun holte er einen Hahn, dessen Füße in rote Farbe getaucht waren und jagte ihn über den blauen Streifen. Und Hokusai sagte zum Shogun: ‘Das ist ein Bild vom Tatsuta-Fluss mit Herbstlaub, Euer Hoheit …’«