
Werden Menschen dieses Zeichen in ein paar tausend Jahren noch verstehen?
Abb.: Wikipedia/Wikimedia
»Wohin mit dem radioaktiven Abfall?« ist weiterhin eine ungeklärte Frage. Genauso wie die Frage »Wie warnt man in der Zukunft die Menschen vor dem eingelagerten Abfall von heute?«. Dieser wird dann noch immer strahlen. Halbwertszeiten, die Zeiten, die es braucht, bis die Hälfte der Atomkerne spaltbarer Produkte zerfallen, können lang sein, sehr lang. Plutonium-239, ein Isotop, das bei der Produktion von Atomenergie häufig produziert wird, hat mit ca. 24.000 Jahren eine geringe Halbwertszeit. Uran bringt es auf ca. 704.000.000 Jahre.
Anfang der 1980er Jahre realisierte die Reagan-Regierung, dass es mit der Nutzung der Atomkraft nicht nur ein Entsorgungs- und Lagerungsproblem gibt, sondern auch ein Kommunikationsproblem. Welche Zeichen, welche Sprachen sollen so viele Jahre über verstehbar bleiben? Und dabei begrenzte sich die amerikanische Regierung noch auf eine Zeitspanne von 10.000 Jahren, als sie Thomas Sebeok, Semiotiker an der Universität von Indiana, beauftragte, Lösungsvorschläge zu finden. Innerhalb von neun Monaten hatte er Ergebnisse zu präsentieren und »sah die Annahmen der Semiotik bestätigt: Es gibt keine Sprache – auch keine Bildsprache –, die außerhalb ihres Kontextes verstanden werden kann. Aus sich selbst heraus erschließt sich die Bedeutung von Zeichen nie. Sebeoks zog eine radikale Schlussfolgerung: Wenn es unmöglich ist, ein Zeichen zu finden, das noch in 10.000 Jahren vor Atommüll warnt, muss die Lösung sein, einen kulturellen Kontext zu schaffen, der diesen Zeitraum überdauert.«
Mehr in einem Artikel im SZ-Magazin: Wie sagen wir es unseren Nachfahren?, Heft 09/2012.




