2011/10/06
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… In Wahrheit wissen wir von Tao ebenso wenig wie von logos, womit Tao gern wiedergegeben wird; wenn das Wort ursprünglich Weg bedeutet hat, so mag das ein Wandertitel für moralische Bücher gewesen sein, den wir im Orient wie im Abendlande oft finden. Was Lao-Tse und Tschuang-Tse dann in das Wort hineinlegten, war die uralte und immer noch lebendige Sehnsucht der Mystik, das Unaussprechliche mit einem Worte auszusprechen. Das Wort sagt nichts, durchaus nichts, was nicht die chinesischen Mystiker aus ihrer (genialischen oder[269] überkommenen) Seelensituation hineingelegt, hineingeheimnißt haben. Das Wort ist nicht nur für das Abendland unübersetzbar, es ist auch für China positiv nicht definierbar, höchstens negativ zu umschreiben: es ist nach Buber (S. 105) das Unerkennbare, im Werden die Ungeschiedenheit, die Ungeschiedenheit auch im Sein, in den Dingen. Wer sich im Abendlande zum Taoismus bekennt, der bekennt sich zu einem suggestiv neuen Namen für den ungenannten Gott der Stummen des Himmels. Und nachdem ich eben zwischen Tao und unserem Gottesbegriff unterschieden habe, möchte ich jetzt hinzufügen, daß wir dennoch Tao religiös, fast theologisch wiedergeben könnten, wenn wir uns von der Sprache befreien und sagen wollten: »Das Gott«. Was wieder noch unpersönlicher mir klänge als etwa: »das Göttliche«.

Ich habe das Wort gebucht, weil es in seiner ganz exotischen Fremdheit noch besser als die griechischen Wörter und ihre Lehnübersetzungen lehrt: die tiefsten Ahnungen der Philosophen lassen sich nicht aussprechen, es geschähe denn in undefinierbaren Worten, deren Gefühlston für die Gläubigen jede Klarheit ersetzen muß, – wie in der Religion. …

aus: Fritz Mauthner, Wörterbuch der Philosophie

2011/05/23
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JULIET

O Romeo, Romeo! wherefore art thou Romeo?
Deny thy father and refuse thy name;
Or, if thou wilt not, be but sworn my love,
And I’ll no longer be a Capulet.

ROMEO

[Aside] Shall I hear more, or shall I speak at this?

JULIET

‘Tis but thy name that is my enemy;
Thou art thyself, though not a Montague.
What’s Montague? it is nor hand, nor foot,
Nor arm, nor face, nor any other part
Belonging to a man. O, be some other name!
What’s in a name? that which we call a rose
By any other name would smell as sweet;
So Romeo would, were he not Romeo call’d,
Retain that dear perfection which he owes
Without that title. Romeo, doff thy name,
And for that name which is no part of thee
Take all myself.

ROMEO

I take thee at thy word:
Call me but love, and I’ll be new baptized;
Henceforth I never will be Romeo.

—William Shakespeare, »Romeo and Juliet«, act II, scene II

2007/08/13
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Zufällige Klärung einer Frage, die mich vor langer Zeit mal beschäftigte: Auf der offiziellen Marshall McLuhan-Webseite gibt es in einer Fragen- und Antwortenliste eine Erklärung wie der Titel eines seiner bekanntesten Bücher entstanden ist.

Why is the title of the book “The medium is the massage” and not “The medium is the message”?

Actually, the title was a mistake. When the book came back from the typesetter’s, it had on the cover “Massage” as it still does. The title was supposed to have read “The Medium is the Message” but the typesetter had made an error. When Marshall McLuhan saw the typo he exclaimed, “Leave it alone! It’s great, and right on target!” Now there are possible four readings for the last word of the title, all of them accurate: “Message” and “Mess Age,” “Massage” and “Mass Age.”

FAQS – Marshall McLuhan

2006/10/16
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Noch immer gibt es Optimierungsbedarf für Maschinenlogik … scheint es auf den ersten Blick. Doch vermutlich ist ein solches Ergebnis (»Begriffe günstig kaufen – Riesenauswahl zu Niedrigpreisen«) schon das Resultat einer gezielten Optimierungsstrategie, bei der über statistische Auswertungen Begriffe gesucht wurden, die von anderen nicht genutzt werden, um so mit geringsten Kosten eine breite Werbeeinblendung zu erzielen (bei der ausserdem auch nur die eigene Anzeige erscheint).

Ob es überhaut noch Lexeme (und deren Pluralformen) gibt, die nicht als Trigger für Werbeeinblendungen benutzt werden?

2006/08/14
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Bis zum 30. September 2006 darf wieder bei einem neuen Wettbwerb um besondere Wörter der deutschen Sprache mitgemacht werden. Nach dem es im vorletzten Jahr galt, »Das schönste deutsche Wort« zu küren, und die Goethe-Institute von der Mitmachaktion kräftig profitierten, hofft der Deutsche Sprachrat erenut auf einen großen Zuspruch. Wer erinnert sich eigentlich noch an den Gewinner von 2004? Die Habseligkeiten waren es, die den größten Zuspruch der Jury fanden.

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2006/08/10
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Bericht der NY Times über eine Person, die trotz der Anoymisierung von veröffentlichten Suchanfragen gefunden werden konnte

Seit einigen Tagen berichten Blogs und Nachrichtenredaktionen über AOLs großes Missgeschick beim Umgang mit sensiblen Daten. Der abgehalfterte Online-Dienst hatte ca. 20 Millionen Suchanfragen von ca. 650.000 amerikanischen AOL-Nutzern über einen Zeitraum von 3 Monaten gesammelt. Diese Sammlung wurde in einem speziellen Research-Bereich auf die Firmenwebseite gestellt. An sich keine schlechte Idee und neben der nun wieder entfernten Super-Sammlung gab es bei den Test Collections auch noch andere Zusammenstellungen (der Link ist nicht mehr oder nur eingeschränkt zu erreichen). Für Marketingspezialisten, Webseitenoptimierer oder Linguisten durchaus ein gutes Angebot. So konnte z.B. eine Sammlung mit Anfragen, die mit einem englischen Fragewort formuliert wurden, geladen werden. Dabei waren die Zusammenstellungen aber auf die reinen Anfragen reduziert.

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2006/08/04
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Manche eingeführten Begriffe lassen sich am Ende halt doch nicht ideologisch umbenennen. Als das »Good Old Europe« sich gegen den Irak Krieg von George W. Busch und seine Ölkumpels stellte, da kamen konservative US-Abgeordnete auf die gleiche Idee wie andere zuvor schon während des 1. Weltkriegs: Gängige Lehnworte aus dem Land eines politischen Gegners euphemistisch umzubenennen. So wurden als Reaktion auf Frankreichs Kritik an der us-amerikanischen Nahost-Politik French Fries, gewöhnliche Pommes also, zu Freedom Fries verklärt. Um 1915 wurde kein Sauerkraut mehr verkauft, es hieß Liberty Cabbage (siehe hierzu So muss es heissen). Vielleicht braucht es noch ein paar mehr Begriffe für »Freiheit«, um auf politischen Speisekarten der Zukunft zumindest ein bisschen mehr Namenvielfalt zu erlangen.

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2006/08/03
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Microsoft hat mit seinem geplanten MP3-Player Zune wohl schon vor der ersten Auslieferung ein kleines Namenproblem, zumindest in Israel. Einem israelischen Blog zufolge, soll der Name in hebräischer Schreibweise die Bedeutung »F*ck« haben und damit voll daneben liegen (via Heise.de, die freundlicherweise The Word Company empfahlen). Das ewige Bedeutungsproblem also mal wieder, das bei der Einführung von globalen Marken entstehen kann?

Dabei hat alles sehr gut angefangen. Microsoft plant sehr viel Geld für Werbung auszugeben und setzt zunächst besonders auf virales Marketing übers Internet, so dass der Player schon vorher viel Bekanntheit erlange. Und der Branchendienst Markenbusiness.com beschreibt anerkennend in einem Markenkommentar wie geschickt Microsofts Markenanwälte bei der Registrierung der Marke für einen schnellen internationalen Schutz vorgegangen seien, und warum sie zunächst in Deutschland die Marke anmeldeten. Die deutsche Markenanmeldung ZUNE ist »Microsofts Trumpf im internationalen Markenkampf. Basierend auf der Marke lässt sich nämlich der internationale Schutz bei der World Intellectual Property Organization WIPO in Genf beantragen. Bei dieser Internationalen Registrierung auf Basis des Madrider Markenabkommens bzw. des Madrider Protokolls lässt sich die Priorität des Eintragungstages der Heimatmarke auf den internationalen Schutz übertragen. Das bedeutet, dass Microsoft Schutz in den USA mit der Priorität vom 11.07.2006 erlangen kann, nämlich dem Eintragungstag der Deutschen Marke.«

2006/01/23
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Es gibt ein paar Eintragungsangebote für Wörter, die bisher nicht im Wörterbuch stehen. Seit Dezember 2005 betreibt der Wörterbuch-Verlag Merriam-Webster mit seinem Open Dictionary nun auch eine solche Online-Datenbank für von Benutzern vorgeschlagene Wörterbucheinträge. Auf der Verlags-Webseite steht dazu »a real-time chronicle of new words and senses based entirely on contributions from its users«. Zuvor gab es schon eine Sammlung, bei der die Top-Ten nach Häufigkeit der Worteinreichung ermittelt wurden.

Einem Pressetext zufolge befinden sich einige der Wörter, die in das »forum for word lovers« eingestellt werden, auch schon auf der Beobachtungsliste der Wörterbuch-Redaktion: »Some contributions to the Open Dictionary are words currently on the radar screen of Merriam-Webster’s editors«, z.B. fangirl/boy, noun: »a girl or boy that has an obsession with a person, place, or thing, sometimes stemming from a TV series, movie, or manga/anime«.

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2006/01/11
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Teuer, teurer, noch teurer … endlich gab es für 2005 nach dem Zusammenbruch der Web-1.0-Ökonomie wieder neue Rekorde beim Verkauf von Domainnamen zu vermelden. Im November wechselte die Domain Fish.com für 1,2 Millionen US-Dollar den Besitzer. Die Webadresse kostete noch mehr als z.B. mögliche Finanzdienstleistungsseiten wie Bills.com, Property.com oder Refinance.com, die ebenfalls unter den hochpreisig veräußerten Domainnamen rangierten. Diese schafften es jedoch nur auf Platz 2, 4 und 6 und bewegten sich in einem Preisrahmen von 964.500 bis 750.000 US-Dollar. Aber vielleicht werden unter fish-dot-com nach Schaltung eines Webangebots ja auch keine Fische verkauft werden …

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