Die Papstwahl als globales Ereignis weckte bei einigen Menschen vorausschauende Fähigkeiten, die sich rückblickend als eine lukrative Einnahmequelle herausstellen dürften. Sowohl in Deutschland als auch in Amerika erahnten zwei Zeitgenossen den Namen des zukünftigen Papstes zu einem Zeitpunkt, als Kardinal Ratzinger noch gar nicht öffentlich als würdiger Nachfolger von Papst Johannes Paul II. verkündet worden war und seinen selbstgewählten Papstnamen hatte nennen können.
Der aus der katholischen Kirche ausgetretene Stefan Achatz aus München registrierte am 17. April die Domain papst-benedikt.de, nachdem er durch systematische Überlegungen zu dem Schluss gekommen war, dass der Name Benedikt XVI. mit hoher Wahrscheinlichkeit der gewählte Name sein wird. Den Namen Johannes Paul III. schloss er alleine schon wegen der großen Popularität des am 16. Oktober 1978 gewählten Vorgängers aus, genauso die Einzelvarianten Johannes XXIV. oder Paul VII. In der Geschichte der Papstnamen weiter zurückgehend, wie er auf seiner Webseite ausführt, entschied Achatz sich auch gegen Pius XIII. »aufgrund der diskussionswürdigen Haltung von Papst Pius XII. während [der Zeit des] des Nazi-Regimes«. So folgt weiter zurückgehend nach Pius XI. der als »Friedenspapst« in die Geschichte eingegangene Benedikt XV. Gibt es eine bessere Symbolik als in Zeiten von »Terror-Anschlägen, Selbstmord-Attentaten, Religionskriegen und Globalisierungskonflikten … mit einem neuen Friedenspapst ein Zeichen zu setzen?« Neben diesen Erläuterungen führen Buchempfehlungen zu Amazon und Links am unteren Seitenrand zu den von ihm betriebenen Fitness-Studios.
Bereits am 1. April, lange also bevor ein »Habemus Papam« (»wir haben einen Papst«) überhaupt zu vernehmen gewesen wäre, registrierte Rogers Cadenhead aus Florida, USA gleich sechs, aus seiner Sicht mögliche Dot-Com-Namensvarianten, darunter BenedictXVI.com als Domains auf seinen Namen. Die weiteren mit ,com zusammengezogenen Namen sind Clement XV., Innocent XIV., Leo XIV., Paul VII., Pius XIII., alle Domains führen auf seine Webseite. Auch er ging wohl systematisch vor, scheint das Ganze aber mehr von der sportlichen Seite zu sehen, »My money’s on one of these six names«. Und für die Anmeldung von JohnPaulIII.com und JohnXXIV.com kam auch der getaufte Katholik schon zu spät. Nachdem Gerüchte aufkamen, er habe die Domains »popesquatted« und könne BenedictXVI.com beispielsweise für unseriöse Weiterleitungen verkaufen, reagierte Cadenhead prompt. Unter dem Titel »A Pope is a Pope is a Pope«, einer Abwandlung von Gertrude Steins bekannten Satz »A rose is a rose is rose«, versichert er ergänzend auf seiner Webseite: »For the love of God, people, that’s not going to happen. I will be running any plans I have for this domain by my own Catholic doctrinal enforcer, my never-miss-a-Sunday grandmother Rita.«
Beruhigend für die Katholiken der Welt, dass Oma Rita aufpassen wird. Gepriesen sei der Herr! Benedictus Deus in Angelis suis et in Sanctis suis.