2005/02/02
posted in Galaxy | Comments Off

Eine schöne Anekdote über die Entstehungsgeschichte von CDs erzählt Janko Röttgers in seinem Buch Mix, Burn & R.I.P. –- Das Ende der Musikindustrie: Demnach entwickelte SONY 1977 ein Audio-System auf Basis einer Video-Disk, die mit 30 cm einen ähnlich großen Durchmesser wie eine Langspielplatte hatte. Damit ließen sich bereits damals ca. 13 Stunden Musik speichern und in einem Stück abspielen. Für den damaligen SONY-Vizepräsident Norio Ohga, der selbst in den 40er Jahren in Berlin Musik studiert hatte, »eine absurd lange Zeit«, die Plattenfirmen würden ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht beibehalten können.

Auch Philips entwickelte zu diesem Zeitpunkt einen digitalen Datenträger und stand vor der Frage, wie groß eine solche Speicherscheibe für Audio-Aufnahmen werden solle. Beide Unternehmen gingen eine Kooperation für die Weiterentwicklung von CDs ein und Norio Ohga setzte schließlich durch, dass »eine CD auf jeden Fall Beethovens Neunte Sinfonie in voller Länge fassen müsste. Also machte man sich auf die Suche nach der längsten Einspielung und wurde bei Wilhelm Furtwängler fündig. Dessen Aufnahme von 1951 dauerte ganze 74 Minuten, was einen Durchmesser von 12 Zentimetern voraussetzte.« Philips war davon nicht so ganz überzeugt, »eine 12 Zentimeter-CD … würde in keine Anzugstasche passen.« SONY-Entwickler maßen daraufhin »Anzüge aus allen Teilen der Welt aus« – für eine 12 Zentimetern große CD mit 74 Minuten Aufnahmezeit war überall Platz.

Das Buch aus dem Heise Verlag gibt es im Buchhandel zu kaufen oder im Rahmen einer Creative Commons Public-Lizenz als PDF-Download auf der Heise-Webseite.

©2004–2012 Adib Fricke, adibfricke.com.